Am Samstag, den 28.02., ging es für sechs blinde und sehbehinderte junge Erwachsene auf eine spannende Entdeckungsreise in die Welt der Oldtimer auf Straße und Schiene.
Versteckt in einem Hinterhof und selbst vielen Einheimischen unbekannt, befindet sich im Herzen der Karlsruher Südstadt das Verkehrsmuseum, seit über 55 Jahren von einem kleinen Team Ehrenamtlicher mit viel Herzblut und Leidenschaft verwaltet und betreut.
Harald, Georg und Ingrid, die uns durch den Nachmittag führten, erwarteten uns schon voller Vorfreude am Eingang. Nach einer kurzen Einführung in die Entstehung und Entwicklung des Museums ging es zum letzten, heute noch fahrbereiten Dienstfahrzeug des ehemaligen Oberbürgermeisters Günther Klotz. Ein Mercedes Benz, 280er S-Klasse von 1968, wo wir schnell den markanten Mercedesstern entdeckten und die absolut glatte Fahrzeugoberfläche bewunderten. Auch im Auto ließ es sich äußerst komfortabel sitzen. Es folgte ein Luxusfahrzeug, ein Rolls Royce von 1934, wobei uns insbesondere die Geräumigkeit und die fest installierte Abtrennung zwischen Fahrer*in und Mitfahrenden beeindruckte. Bei einem Fahrzeug wurden die Anfänge des Automobils besonders anschaulich: Es erinnerte stark an eine Kutsche, nur ohne Pferde und dafür mit Motor, ein Bergmann Lilliput aus dem Jahr 1908. Im Rahmen eines kurzen Exkurses über die Erfindung des Rades durch Drais gab es – wenn auch nachgebaut – eine Draisine aus Holz nach der Idee Drais‘ zu betasten – auch hier war Probesitzen ausdrücklich gestattet.
Spannend waren auch die Motorräder. Auf eine alte Harley Davidson von 1952 konnten wir fast selbstverständlich aufsteigen. Ein anderes Motorrad, eine Horex von 1956 knatterte so laut (nur für uns), dass man es wohl im ganzen Museum hören konnte, wobei wir hier durch Beschleunigen und Verlangsamen der Geschwindigkeit am Gashebel eine richtige akustische Motorradfahrt simulieren konnten. Beim letzten Auto, einer BMW Isetta von 1955, im Volksmund auch Knutschkugel genannt (welches auch auf dem Gruppenfoto zu sehen ist) konnte man nur vorne einsteigen, mit richtig viel Platz. Hatte man es sich häuslich eingerichtet, konnte man das Lenkrad einfach nach hinten ziehen, bis es in entspannter Griffposition am Fahrersitz einrastete – ganz schön clever.
Zum Abschluss gab es gleich zwei Überraschungen: Im obersten Stockwerk, das von den Modellbahnfreunden gehegt und gepflegt wird, hatten wir ausnahmsweise die Möglichkeit, eine 130 Jahre alte Modelllok, Spur1, zu ertasten. Die verlegte Gleisstrecke konnten wir nachvollziehen und der Lok bei einer kleinen Rundfahrt zuhören. Als zweite Überraschung wurden wir zum Abschluss im Veranstaltungsrau mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen verwöhnt.
Ganz herzlichen Dank an Harald, Georg und Ingrid, die sich den ganzen Nachmittag für uns Zeit genommen haben! Das Museum wurde extra für uns geöffnet und man hat uns wie selbstverständlich sehr nahe an die Fahrzeuge herangehen lassen, Anfassen, Berühren und oft sogar Einsteigen und Probesitzen waren explizit erlaubt. Uns hat nicht nur die Führung, sondern auch die Liebe und das Engagement der Mitarbeitenden für ihr Museum sehr begeistert.